Übergangszeit

Noch immer passiert es mir, dass ich fünf Gedecke auflege, obwohl sie schon fast ein Jahr verheiratet ist!

SIE, das ist meine Tochter Angelika, die mit ihrem Mann in Wien wohnt. Ein- oder zweimal im Monat kommen sie uns besuchen.

An manchen Tagen bin ich fast ein wenig eifersüchtig auf ihre liebe Schwiegermutter, die im selben Häuserblock wohnt, weil sie mehr Anteil am Leben meines Kindes hat als ich.

Der Verstand sagt mir: „Sei doch froh, dass Angelika ihr Leben meistert, sie führt mit ihrem Mann eine gute Ehe, beide richten ihr Leben nach Gottes Maßstäben aus und sind glücklich, was willst du mehr?“ Ja, was will ich eigentlich mehr?

Gestern habe ich Fotos von ihr angesehen: Kindergarten, 1.Klasse, ach, wie lange sie mit der Zunge angestoßen hat!

In einer Lade bewahre ich alle Muttertagsgedichte und Zeichnungen meiner Kinder auf. Von Zeit zu Zeit nehme ich sie in die Hand, gebe mich wehmütigen Erinnerungen hin, dann falte ich sie wieder liebevoll und lege sie sorgfältig in die Lade zurück …

Gaby Eder

Leseprobe aus dem Buch
Auch Freudentränen sind salzig