Okiuma – die Insel der Frauen

Meine Freundin und ich liegen im Garten, lesen ein Buch, das wir schon lange lesen wollten, und lassen den Sommerwind über unsere noch etwas winterblasse Haut streichen.

Zwei unserer Teenager-Kinder sind mit ihrem Ferialjob beschäftigt, das andere ist mit Freunden am Schotterteich und unsere Ehemänner helfen einem Freund bei einer Arbeit an seinem Haus. Wir sind allein!

Heute können wir so richtig faul sein, im Schatten liegend Eistee schlürfen und den Pareo unbeachtet auf der Terrasse vergammeln lassen. Wir ignorieren bewusst die Konfektionsgrößen unserer Badeanzüge und die Problemzonen unserer Figuren, Hüftrundungen und Besenreiser bedürfen an diesem Tag keiner Tarnung. Sonnenbrillen und Sonnenöl sind der einzig notwendige Schutz.

Das runde Schwimmbecken in der Mitte des Gartens hat einen Durchmesser von viereinhalb Meter und ist 80 cm tief. Wir hocken uns bis zum Hals hinein, halten uns am Beckenrand fest und plaudern über unsere Hobbys, Probleme und Wünsche. Kein Nachwuchs spritzt uns Wasser in die Augen, schreit durch die Gegend und springt wild gestikulierend ins Becken. Wir konsumieren in Ruhe einen zweiten Eiskaffee mit Schlag, ohne eigenartige Ehemännerblicke übersehen zu müssen. Die zugegebenermaßen auch von uns an manchen Tagen etwas überbewerteten Figurprobleme verringern sich auf unserer Garteninsel, die wir heimlich Okiuma nennen, so rasant, sodass wir unsere Weight-Watcher-Pläne auf das nächste Frühjahr verschieben. Bei einem Stück Topfentorte nehmen wir uns vor, …

Gaby Eder

Leseprobe aus der Anthologie
„Von Autos, Männern und anderen Frauenthemen“ (fram Verlag OÖ.)